Er steht nicht gerne im Mittelpunkt und doch gehört er mit zu den wichtigsten Angestellten im Verein, Alemannia Geschäftsführer Bernd Maas. Zwei Wochen vor der Jahreshauptversammlung der Schwarz-Gelben sprach aachen-arena mit dem Finanzexperten und kaufmännischen Leiter der Geschäftsstelle des Zweitligisten.
Sie kommen gerade aus Portugal zurück und waren ein paar Tage im Trainingslager der Alemannia. Wie sind Ihre aktuellen Eindrücke?
Bernd Maas: Alle sind sehr konzentriert und ich sehe eine professionelle Einstellung aller Spieler. Unser Hotel, ein Fünf-Sterne-Haus, ist für den Zweck gut gelegen, etwas außerhalb und es herrschen gute klimatische Bedingungen. Die Infrastruktur ist angemessen und vor allem der Rasen präsentiert sich in sehr gutem Zustand.
Welche Aufgaben hat ein kaufmännischer Geschäftsführer vor Ort?
Bernd Maas: Hauptsächlich habe ich mich um die Sponsorengruppe vor Ort gekümmert. Ich habe einige Dinge zwischen Mannschaft und Sponsoren koordiniert, wie zum Beispiel ein gemeinsames Frühstück und viele andere Kleinigkeiten, um die Reise unserer Sponsoren, die sie auf eigene Kosten durchführen, auch für sie und ihre Familien interessant zu machen. In den nächsten Tagen werden ebenfalls unser Marketingleiter Thomas Korr und seine Assistentin Ilka Boge vor Ort sein.
In der kommenden Jahreshauptversammlung wird über eine Satzungsänderung abgestimmt, die im Fan-Forum teilweise zu Diskussionen geführt hat. Welche Gedanken stecken dahinter?
Bernd Maas: Wir haben die Diskussion verfolgt und ich habe bereits eine offizielle Stellungnahme des Vereins im Fan-Forum veröffentlichen lassen, in der wir diese Gedanken ausführlich erläutern. (Anm. d. Red.: Link zu dieser
Stellungnahme)
Eine Sorge war unter anderem, dass bei einer einmaligen Mehreinnahme eine mehrjährige Ausgabe, zum Beispiel ein neuer Spieler mit mehrjährigem Vertrag, nach der Satzungsänderung ohne Genehmigung des Verwaltungsrates möglich wäre.
Bernd Maas: Das wäre nur im ersten Jahr so und genau das ist ja auch gewollt. Da in den Jahren danach aber wieder ein neuer Wirtschaftsplan aufgestellt wird, jetzt auch mit dem neuen Spieler und den entsprechenden Ausgaben, um beim obigen Beispiel zu bleiben, greift wieder die Genehmigungsfunktion des Verwaltungsrates, da dieser ja den neuen Wirtschaftsplan absegnen muss. Bei gleicher Einnahmesituation müsste also ein anderer Ausgabeposten wegfallen, zum Beispiel ein auslaufender Vertrag nicht verlängern werden.
Sie sehen also keine Gefahr des Missbrauchs?
Bernd Maas: Ein User hat es richtig innerhalb der Diskussion ausgedrückt in dem er schrieb "sämtliche Regularien taugen nichts, wenn sie böswillig oder kriminell nicht befolgt werden." Wir dürfen das alles jetzt auch nicht überreglementieren, sonst können wir uns nicht mehr hin und her bewegen. Die Außenwirkung falscher Entscheidungen ist gerade in Aachen hinlänglich bekannt. Ich sehe keine Gefahr des Missbrauchs.
Der Verein hat ein ehrgeiziges Ziel ausgerufen, nämlich die Mitgliederzahl innerhalb eines Jahres zu verdoppeln. Was haben wir zu erwarten?
Bernd Maas: Unsere Kampagne ist gerade erst angelaufen und in den ersten vier Wochen konnten wir bereits 600 neue Mitglieder im Verein begrüßen. In den nächsten Wochen und Monaten sollen Radiospots, Poster in den ASEAG-Bussen, Videospots bei den Heimspielen, Anzeigen in den Tageszeitungen und manch anderes die Menschen in Aachen und darüber hinaus animieren, Mitglied bei der Alemannia zu werden. Es wird einige besondere Highlights geben, von denen unsere Mitglieder profitieren können. Mehr verrate ich jetzt nicht.
Eine sogenannte Plus Mitgliedschaft wurde eingeführt. Birgt das nicht die Gefahr einer "Zweiklassengesellschaft"?
Bernd Maas: Ursprünglich sollten die Beiträge wie bei einigen anderen Vereinen grundsätzlich angehoben werden. Dann haben wir uns aber dazu entschlossen, unseren bisherigen Mitgliedern die Möglichkeit zu erhalten, zu gleichen finanziellen Konditionen Mitglied zu bleiben. Dadurch wurde die zweite Form einer Mitgliedschaft geboren. Damit wurde aber auf keinen Fall der Plan verfolgt, eine "Zweiklassengesellschaft" einzuführen. Eine Mitgliedschaft bei der Alemannia soll sich jeder leisten können, das zeigt auch die Tatsache, dass wir sogar für bestimmte Gruppen die Beiträge gesenkt haben.
Was kann der Fan für die Plus-Mitgliedschaft erwarten?
Bernd Maas: Das Plus Mitglied ist einfach noch näher dran am Verein. Unter anderem wird das Stadionheft kostenlos ins Haus geschickt, es gibt einen erhöhten Rabatt auf Fanartikel, ein persönliches Begrüßungsgeschenk und viele Dinge mehr, die wir in den nächsten Wochen und Monaten sukzessive veröffentlichen werden. Auf der Internetseite gibt es einen neuen Onlinebereich nur für Mitglieder mit einem Special für Plus Mitglieder. Die Zugangsdaten werden in den nächsten Tagen zusammen mit dem Mitgliedsausweis verschickt.
Zum Stadioneubau. Dieses Thema erscheint in der Öffentlichkeit etwas zäh. Können Sie etwas zum neuesten Stand sagen?
Bernd Maas: Da viele Dinge noch nicht geklärt sind, möchte ich mich zu diesem Thema auch nicht weiter äußern. Nur eines: ein Stadion steht und fällt nicht nur mit der wirtschaftlichen Machbarkeit, sondern auch mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen, die je nach Standort natürlich unterschiedliche Konsequenzen mit sich bringen. Möglicherweise beeinflussen diese Konsequenzen dann auch wieder die wirtschaftliche Machbarkeit. Das darf dann nicht dazu führen, dass das Stadion unwirtschaftlich wird und seinen eigentlichen Zweck verfehlt. Denn ein neues Stadion zu bauen, nur damit man ein neues Stadion hat, ist Blödsinn. Für eine bessere Stimmung brauchen wir kein neues Stadion, die ist am Tivoli bereits einmalig.
Sie sind jetzt seit viereinhalb Jahren Geschäftsführer bei der Alemannia, was hatten Sie damals bei Dienstantritt vorgefunden?
Bernd Maas (lacht): Ach du Schreck! Ohne jetzt noch einmal alles aufrollen zu wollen, verbleiben doch einige wichtige Erinnerungen. Den Büchern nach schien bei meiner Einstellung alles super, wie es wirklich war, ist hinlänglich bekannt und hat vielen Menschen bei der Alemannia sehr, sehr viel Arbeit und schlaflose Nächte bereitet.
Wie sehen Sie die Entwicklung des Vereins bezogen auf Ihren Arbeitsbereich?
Bernd Maas: Strukturell hat sich in der Zwischenzeit viel bewegt. Stichworte sind Controlling, Merchandising, Marketing, Ticketing, Hotline und zuletzt auch das Mitgliederwesen. Im Zuge der sportlichen Erfolge im DFB und UEFA Pokal hatte der Verein für Zweitligaverhältnisse überdurchschnittliche Aufgaben zu bewältigen.
Ist die Alemannia strukturell gesehen "aufstiegsreif"?
Bernd Maas: Ich denke, dass wir jetzt an einem Punkt angekommen sind, wo uns ein Aufstieg in die Erste Liga nicht überfordern würde. Im Aufstiegsfall wäre es besonders wichtig, alle sich bietenden Chancen zu nutzen und möglichst wenig Geld liegen zu lassen, was aufgesammelt werden könnte. Die einzige Einschränkung ist unser altehrwürdiger Tivoli. Der ist bereits jetzt vermarktungstechnisch ausgereizt.
In der Presse wird schon mal über angebliche Differenzen zwischen den beiden Geschäftsführern Bernd Maas und Jörg Schmadtke geschrieben. Ein Kommentar?
Bernd Maas: Wir verstehen uns möglicherweise besser als einige aktuelle oder ehemalige Redakteure einer bekannten Aachener Sportredaktion.
Gerade gestern wurden in der Zeitung die Kandidaten für das neue Präsidium bekannt gegeben. Was sagen Sie zu den verkündeten Namen?
Bernd Maas: Da ich nicht der Findungskommission angehöre und die Namen wie die Öffentlichkeit auch erst gestern durch den Zeitungsbericht in der AZ erfahren habe, kann und möchte ich mich zu den genannten Herren natürlich nicht äußern. Ich stehe aber natürlich jedem Kandidaten, der sich für die Vorstandsarbeit zur Verfügung stellen möchte, positiv und aufgeschlossen gegenüber. In diesem Zusammenhang möchte ich es nicht versäumen, den beiden bisherigen Mitgliedern des Vorstandes, die aus verständlichen Gründen aus dem Gremium ausscheiden möchten, ausdrücklich und herzlich für die vertrauensvolle und einwandfreie Zusammenarbeit zu danken. Tim Hammer und Carlo Soiron haben sich durch ihr persönliches Engagement um die Alemannia sehr verdient gemacht, und auch Hans-Peter Appel hat sich in seiner kürzeren Zeit aktiven Schaffens sehr gut einbringen können.
Viele Forumsteilnehmer, die auch Mitglieder im Verein sind, fragen angesichts der kurzfristigen Einladung nach der Möglichkeit der Etablierung eines eigenen Kandidaten für die Gremien Verwaltungsrat bzw. Vorstand. Wie können diese Leute gegebenenfalls Einfluss auf die Entscheidung der Vorschläge durch Verwaltungs- bzw. Ältestenrat nehmen, die ja die entscheidenden Organe vorschlagen?
Bernd Maas: Da es in der Satzung nicht genau geregelt ist und bevor jetzt Liese Müller von nebenan vorgeschlagen werden soll, sage ich jetzt mal vorweg: Ein solcher Kandidat sollte sich in jedem Fall einer breiten Unterstützung der Mitglieder erfreuen bzw. besondere Eigenschaften und / oder Reputationen mit sich bringen, die ihn für die Aufgabe im Verwaltungsrat oder gar im Vorstand qualifizieren. Außerdem sollte sich der Kandidat eines einwandfreien Leumundes erfreuen. Unter der Voraussetzung der Ernsthaftigkeit einer solchen Kandidatur würde ich die Personen, die einen solchen Kandidaten vorschlagen möchten, einfach bitten, sich mit mir in der Geschäftsstelle in Verbindung zu setzen. Ich würde dann sicherlich den Kontakt zu den jeweils verantwortlichen Personen der Organe herstellen, um eine entsprechende Eingabe machen zu können.
Vielen Dank für das ausführliche Gespräch und wir wünschen Ihnen weiter viel Erfolg mit der Alemannia.
aa/wp (8.1.2006)