"Zumindest über 60 Minuten wollen wir den Ernstfall testen", so hatte es Alemannia Coach Dieter Hecking vor der Partie gegen die Sportfreunde Siegen angekündigt. Für die Fans wurde das Spiel, zu dem die Schwarz-Gelben aus ihrem Trainingslager am Wiesensee angereist waren, durch diese Aussage besonders interessant.
Wer denn dann einmal das Molzberg-Stadion in Kirchen-Betzdorf gefunden hatte, sah dann folgende Mannschaft der Alemannia über eine Stunde zusammenspielen:
Nicht - Heidrich, Stehle, Sichone, Noll - Plaßhenrich, Fiel, Sukalo - Reghecampf, Meijer, Koen
Doch welche Schlüsse sind jetzt aus dieser Startformation zu schließen? Stephan Straub, Bernd Rauw, Alexander Klitzpera, Willi Landgraf und Sergio Pinto verletzt, Sascha Rösler und Marius Ebbers auf der Bank; das konnte nur bedeuten: Entschieden ist eigentlich noch nichts.
Die Story des Spiels ist schnell erzählt. Gegen engagiert aufspielende Siegener konnten die Schwarz-Gelben den Rückstand (Dosek, 10.) schnell umdrehen. Vor immerhin zweieinhalb bis dreitausend Zuschauern im schön gelegenen Molzberg-Stadion im Landkreis Altenkirchen erzielten Laurentiu Reghecampf (12.) und Erwin Koen (27.) die Führung. Der niederländische Neuzugang aus Essen und Goran Sukalo vergaben im Laufe der ersten Halbzeit noch weitere Möglichkeiten, die verdiente Führung weiter auszubauen. Der Ball lief bei den Gästen schnell nach vorne, technisch und spielerisch stark präsentierte sich die Alemannia und man vernahm mehr als einmal ein anerkennendes Raunen im gespannten Publikum nach gelungenen Spielzügen. In der zweiten Halbzeit verflachte das Spiel, der Gegner kam etwas besser auf, konnte jedoch seine wenigen Gelegenheiten nicht zum Ausgleich nutzen. Im Gegenteil, Marius Ebbers stellte mit seinem Tor in der 82. Minute den Endstand her. Alemannia wechselte noch wie folgt: Rösler, Ebbers und Bruns kamen für Meijer, Sukalo und Koen in der 62. Minute, Schlaudraff für Reghecampf in der 73. Spielminute.
"aachen arena - Fazit"
Wegen der Verletzungen kann Trainer Dieter Hecking noch nicht mit seiner Wunschformation spielen. Der Kader der Alemannia ist aber in dieser Saison so stark in der Breite, dass die Ausfälle kompensiert werden können. Im Tor wird es Stephan Straub schwer haben, rechtzeitig wieder fit zu werden. Eventuelle Zweifel von Fans, die Kristian Nicht in der U23 im letzten Jahr haben spielen sehen, haben sich in Luft ausgelöst. Auch wenn der 2. Keeper in seinen bisherigen Spielen noch nicht so richtig gefordert wurde, ist er absolut zweitligatauglich.
Die Abwehr lässt bisher nur sehr wenige Chancen des Gegners zu. Moses Sichone ist zweifellos Stammspieler im Abwehrzentrum, Alexander Klitzpera eigentlich auch, sobald er seinen Rückstand in der Vorbereitung aufgeholt hat. Mit Thomas Stehle und Matthias Heidrich haben auch andere gezeigt, dass sie diese Position spielen können. Bernd Rauw hat auf der rechten Abwehrseite überzeugt, Willi Landgraf aber scharrt schon mit den Hufen. Mirko Casper hat schon gezeigt, dass er eine Alternative zu Emil Noll auf der linken Abwehrseite sein kann.
Ein "Überangebot" herrscht im Mittelfeld, wobei Thomas Hengen aus bekannten Gründen aus der Wertung fällt. Reiner Plaßhenrich, Goran Sukalo und Matthias Heidrich streiten sich um zwei Plätze im defensiven Mittelfeld und auch davor hat Trainer Dieter Hecking viele Möglichkeiten und Varianten zur Verfügung. Laurentiu Reghecampf oder Jan Schlaudraff über rechts, Florian Bruns oder Erwin Koen über links, dazu im Zentrum Cristian Fiel und/oder Sergio Pinto. Die Schwarz-Gelben können sich glücklich schätzen, in dieser Spielzeit flexibel auf alles Gegebenheiten reagieren zu können.
Auch im Angriff gibt es einige Optionen, wobei es unwahrscheinlich ist, dass Marius Ebbers, Sascha Rösler und Erik Meijer gleichzeitig von Beginn an auflaufen werden. Daniel Gomez und Jens Scharping haben bei der jetzigen Konstellation nur wenige Chancen und würden bei entsprechenden Angeboten wohl auch den Verein verlassen dürfen.
Wir können gespannt sein auf die Alemannia 2005/2006. Zwar hakt es noch etwas im Spiel nach vorne, doch bis zum Saisonstart sind es ja auch noch ein paar Tage. Respekt hat sich die Alemannia auf jeden Fall durch ihren Kader, aber auch durch die UEFA Pokalspiele im letzten Jahr erarbeitet und es kann kaum etwas Besseres passieren als dass ein Gegner - wie hier in Siegen - nach einem Spiel sagt: "Na ja, gegen Alemannia darf man verlieren."
aa/wp
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