Bernd Maas, Geschäftsstellenleiter der Alemannia seit 2001 und lange auch erfolgreich als Geschäftsführers des Vereins, feierte in diesen Tagen ein für den Öcher Kultklub ungewöhnliches Jubiläum. Am 25. Januar 2007 waren es genau 2000 Tage her, dass der 36-jährige Bank- und Diplomkaufmann seinen Arbeitsplatz an der Krefelder Straße einnahm. Seine Arbeit konfrontierte ihn zunächst mit Kofferaffaire und Fastpleite, doch eigentlich ging es mit der Alemannia dann seit seinem Dienstbeginn stetig aufwärts, nicht zuletzt auch dank Bernd Maas. Den Jubiläumstag sowie aktuelle Zeitungsmeldungen und Forumseinträge nahm aachen-arena zum Anlass, sich an die abgelaufenen Jahre seiner Amtszeit zu erinnern und auf die aktuelle Situation am Tivoli zu schauen.
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Bernd Maas (ganz links) hier bei einer Signierstunde mit J. Schlaudraff, Buchautorin S. Helfen und dem Geschäfts- führer der Mayerischen Buchhandlung Ulrich Falter (re.) |
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Bereits in einem Interview im letzten Jahr (
siehe hier) beschrieb Bernd Maas seinen holprigen Start im Verein, doch die Kofferaffaire wurde komplett abgearbeitet, obwohl die Geschäfte durch die umfangreichen Ermittlungsarbeiten extrem behindert wurden. Im Anschluss wurde der scheinbare sichere Lizenzentzug verhindert und die Überschuldung mit zwischenzeitlich über 4 Mio. Euro negativem Eigenkapital komplett getilgt. Unter der Regie von Bernd Maas wurde die Kosten- und Einnahmesituation des Vereins enorm verändert. Wenn man einmal die Zahlen, die in den Jahreshauptversammlungen der letzten Jahre genannt wurden, zusammenfasst, ergibt sich ein beeindruckendes Bild.
Betrugen die Personalkosten der Verwaltung in der Saison 2000/2001 noch ca. 644 T€, liegen sie laut Bericht in der AZ vom Oktober 2006 in der 1. Liga in einer Größenordnung von 603 T€. Während man bei der Alemannia zum Beispiel beim Anteil der Personalkosten für die Verwaltung etwa ein Viertel hinter dem Schnitt (3,3% Alemannia / 4,4% Liga-Rest) der ersten Liga liegt, ist dieses bei den Kosten für den Lizenzspielerbereich genau umgekehrt (61% Alemannia / 48% andere). Und das bei einer Verdoppelung des Gesamtumsatzes, der sich nun in der ersten Liga wohl vervierfachen wird.. Beim Merchandising/Fanartikelverkauf erlöste Alemannia zuletzt in der Zweiten Liga das 10fache des Ligaschnitts. Beim Sponsoring wurden die Erlöse von 1,7 Mio. Euro auf 5,5 Mio. Euro in der 2. Liga verdreifacht, in der 1. Liga sind es jetzt über 8 Mio. Euro und damit höher als das beste Angebot eines Sportrechtevermarkters. Und die sollten schließlich ihr Handwerk verstehen. Alemannia ist so weiterhin einer der ganz wenigen Klubs mit komplett eigener Vermarktung.
Dafür hat der gebürtige Westfale jahrelang gekämpft und hierzu bereits früh den jetzigen Marketingleiter Thomas Korr von Borussia Mönchengladbach losgeeist. Mit Erfolg, wie die Zahlen es belegen. Im VIP-Bereich erfolgte ein ständiger Ausbau des VIP-Zeltes, in jedem Jahr wurde investiert, erweitert und schließlich auch mehr verdient. Ebenfalls dem o. g. AZ-Bericht zufolge sind die Kostenstrukturen bei der Alemannia eindeutig auf den Sport ausgerichtet: Der Service in und um den Tivoli herum an Spieltagen wurde ebenfalls verbessert. Im UEFA-Pokal gelang es der Alemannia durch das Verhandlungsgeschick des Jubilars mehr als alle andere Teilnehmer zu verdienen, die in der gleichen Runde wie die Schwarz-Gelben ausschieden und Alemannia erzielte nach Aussage des ehemaligen Schatzmeisters Carlo Soiron die höchsten TV-Erlöse dieser Klubs.
Auch die strukturellen Veränderungen der letzten Jahre können sich sehen lassen. Abteilungen auf der Geschäftsstelle sowie internen Abläufe wurden teilweise völlig neu strukturiert. Es entstanden die Fanshops Krefelder Straße und Pontstraße, ein Online-Shop für Tickets und Fanartikel wurde eingerichtet sowie die EDV optimiert von Warenwirtschaft bis Controlling. Inzwischen erreichen den Verein sogar Anfragen vom FC Bayern, Werder Bremen oder dem FC Kaiserslautern, die einige Abläufe zum Vorbild nehmen und auch bereits genommen haben.
Auch das Thema Stadionneubau wurde von Maas bereits kurz nach seiner Einstellung öffentlich thematisiert - was aber angesichts der beängstigenden finanziellen Lage seinerzeit erst einmal wieder in den Hintergrund treten musste. Aber hier hat er bereits viele Erfahrungen aus den Projekten in Dortmund und Mönchengladbach mitgebracht und nicht zuletzt aufgrund seiner guten persönlichen Kontakte zu Stephan van der Kooi aus den guten alten UEFA Cup - Tagen diesen vom 1. FC Köln zur Alemannia locken können.
Bereits vor drei Jahren war Bernd Maas der Überzeugung, dass eine Ausgliederung der richtige Weg sei, um diese Strukturen nun noch weiter verbessern zu können. Als sich diese Idee dann auch in den Gremien durchsetzte, bereitete Maas schließlich die Ausgliederung so gut vor, dass diese mit nur wenigen Gegenstimmen in der Hauptversammlung abgesegnet wurde.
Was er zu diesem Zeitpunkt wohl nicht ahnte, war, dass er sich damit quasi selbst ausgegliedert hatte.
An statt den logischen Schritt der doppelten Geschäftsführung mit Bernd Maas und Jörg Schmadtke zu gehen - außer den so genannten Werksklubs und jetzt auch der Alemannia gibt es mittlerweile keinen Profiverein mehr in Deutschland, der nur einen Geschäftsführer installiert hat - verharrte die Alemannia GmbH in einer Art Zustand von Trance. Ein Aufsichtsrat mit neuen Personen, ein Verwaltungsrat mit 10 Personen, dazu noch einen neunköpfigen Ältestenrat und vier Vorstandsmitglieder - jeder sich selber und gegenseitig vorschlagend und wählend -, von Effektivität konnte keine Rede mehr sein. Und ob die Vorgehensweise die von den Mitgliedern gewollte war, ist zumindest nicht bestätigt. Bernd Maas hatte jedenfalls öffentlich die Bereitschaft signalisiert, die Geschäfte gemeinsam mit Schmadtke weiter zu führen.
Zunächst tat die Spitze des Räteclubs dann auch öffentlich kund, dass man mit Maas und Schmadtke über die Geschäftsführung reden wolle. Eingehalten wurde dieses Versprechen jedoch nicht mehr. Vielmehr wurde ein bizarres Auswahlverfahren gestartet, obwohl die nahe liegende Lösung bereits im Hause war.
Nach einer Phase des Innovationsstaus in 2006, der möglicherweise mit den Wechselspielen an der Spitze der Alemannia zusammenhängt, hat die Alemannia nun seit wenigen Tagen mit Frithjof Kraemer endlich einen neuen GmbH-Geschäftsführer, der seine ersten Schritte im Bundesligaoberhaus wagt und dem wir natürlich alles Gute für seinen Weg mit der Alemannia wünschen. Auf der Strecke blieben zunächst Bernd Maas und Jörg Schmadtke, die allerdings sehr große Fußstapfen hinterlassen haben. Mit bangem Blick schauen viele Fans auf die weitere Zukunft der GmbH. Doch allem zum Trotz: Heute gelten die Glückwünsche einmal Bernd Maas, der auf 2000 erfolgreiche Tage am Tivoli zurückblicken und ruhigen Gewissens seiner persönlichen Zukunft entgegensehen kann. Wir drücken die Hoffnung aus, dass diese Zukunft eng mit der Alemannia verknüpft bleibt.
aa/wp